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Werner Minkenberg – Ein Spätheimkehrer zu Besuch in der Südringgauschule

„Am Mittwoch, 29. Juni 2016, durfte in der Südringgauschule Herleshausen ein ganz besonderer Gast begrüßt werden. Werner Minkenberg aus Bebra war gekommen, um von seiner Kriegsgefangenschaft zu erzählen. Der Zeitzeuge, der 1925 geboren wurde, ist einer der letzten Spätheimkehrer. Durch seine präzisen Erzählungen und mit Hilfe einer Karte und mit Bildern brachte er den Schülern der Klassen 7/8 sowie 9/10 die grausamen Kriegszustände und ihre Folgen nahe.“ (Jana Stüber)

Mit 19 Jahren wurde er 1944 als „Kriegsverbrecher“ zu 25 Jahren Haft verurteilt und kam in das Straflager Workuta in Sibirien, in die Hölle, wie er selbst die unmenschlichen Zustände nennt. Bis zu 12 Stunden mussten die Gefangenen Kohle, Lehm und Kies abbauen, in einer Region, wo der Winter das ganze Jahr das Klima bestimmt. Erträglicher wurde die Gefangenschaft nach zweieinhalb Jahren, als es galt, Städte aufzubauen, auch wenn die Kriegsgefangenen mitten im Asbeststaub lebten.

Und dann gab es erste Karten und Pakete aus der Heimat, ein vorsichtiges Zeichen der Hoffnung und des Durchhaltens. Aber erst durch die Verhandlungen von Kanzler Konrad Adenauer wurde 1955 für mehr als 15 000 Kriegsgefangenen der Weg in die Freiheit geebnet.

Der Start in die Freiheit begann für Werner Minkenberg am 16. Dezember 1955 in Herleshausen. „Wir grüßen die Heimat“ hatten die heimkehrenden Gefangenen auf den Viehwaggon geschrieben, in dem sie den Bahnhof erreichten und von den Herleshäusern freundlich empfangen wurden.

Werner Minkenberg gab sowohl einen Rückblick auf die 111/2 Jahre Gefangenschaft als auch einen Einblick in die Zeit der Neuorientierung im freien Deutschland.

Viele Fragen hatten die Schülerinnen und Schüler, die Werner Minkenberg beantwortete, so als hätte er alles gerade erst gestern erlebt. Seine Art der Verarbeitung ist das Berichten, denn sein Leitspruch ist „Ich möchte nicht überlebt haben, um alles zu vergessen.“

Manche Begebenheit konnten die Schülerinnen und Schüler auch heute noch gut verstehen. Wenn ich einen Kameraden verrate, ist eine Zusatzration Essen als Belohnung nur eine kurze Freude. Langfristig muss ich dafür die Konsequenzen tragen. Auch der Werteverlust kam zur Sprache; seine Werte ließ sich Werner Minkenberg nicht nehmen, selbst wenn ihm alles genommen wurde und der Tod als Alternative erschien.

Obwohl dem damals 30 jährigen bei der Freilassung über ein Jahrzehnt seines Lebens geraubt war, zeigte Werner Minkenberg, dass es wichtig ist, positiv in die Zukunft zu blicken, das Leben als Geschenk anzunehmen und es gut zu gestalten.

Die Schüler dankten Werner Minkenberg. „Wir fanden es sehr beeindruckend, was für eine starke Persönlichkeit Sie sind. Sie sitzen dort vorne mit 90 Jahren und schauen immer in die positive Richtung, das ist sehr bewundernswert.“ (Nele und Wiebke) „Für mich ist die Freiheit normal, doch für Sie hat sie so eine große Bedeutung. Ich bewundere Sie und möchte mich ausdrücklich bedanken.“ (Dominik John und Tristan Ellenberger) „Sie haben heute noch die Kraft, das Wissen und den Mut, uns so tolle Vorträge zu halten und das im Alter von 90 Jahren. Sie geben ihr Wissen an die neue Generation weiter. (Leon Hartig) „Ihr Vortrag gab uns viele Eindrücke von den Lagern und wir konnten uns gut in Ihre Geschichte hineinfühlen.“ (Felix und Marlon) „Sie haben nicht nur unseren Respekt, sondern auch unsere Anerkennung. Obwohl Sie damals die Hoffnung verloren hatten, hatte dennoch ein kleiner Funke überlebt und dieser Funke wurde zum Feuer. (Melina und Kira) „Sie haben uns sehr eindrucksvoll erzählt wie der harte Alltag in der Gefangenschaft war. Wir haben größten Respekt vor Ihnen, dass Sie es uns so frei erzählen konnten, trotz der schlimmen Erfahrungen. Vielen Dank, dass Sie unsere Schule besucht haben.“

(DavidundDaniel)                                                                                                                                                                                                                        A. W. 

02 L1060175